143. Tipp: Hausaufgaben VS. Spielen

Mit ungefähr sieben, acht Jahren war mein Tagesablauf: Schule, Mittagessen, Hausaufgaben, spielen.
Nach der Schule gingen meine Freunde und ich nach Hause. Ich wusste, dass sie nun auch mit ihren Familien aßen, aber anders als ich, trafen sie sich danach gleich wieder, um zu spielen. Mir war das wohl bewusst, doch für mich hätte es sich komisch angefühlt, die Hausaufgaben erst später am Tag, manchmal erst vor dem zu Bett gehen, zu machen. Ich wollte das gleich erledigen. Und trotz dem Wissen, dass meine Freunde draußen waren und spielten, war mir wichtig, dass ich erst mal die Aufgaben erledigte.

Bis zu dem Tag, wo ich mir dachte, jetzt probiere ich es doch mal andersrum. Wenn so viele Kinder so lebten, dass sie erst spielten und dann Hausaufgaben machten, vielleicht ist es ja so viel besser.

Also sagte ich nach dem Essen zu meiner Mutter, dass ich heute erst mal raus gehe und dann später meine Hausaufgaben mache. Ich wolle einfach mal probieren, ob es für mich so okay ist. Für sie war es das auf jeden Fall. Meine Eltern waren sich bewusst, dass ich zuverlässig und selbstmotiviert bin. Natürlich gab es Grenzen, doch in diesen konnte ich mich eigenverantwortlich bewegen.

Gesagt, getan. Ich erinnere mich noch heute, dass meine Freunde auf dem Nachbargrundstück waren. Dort wurde gerade gebaut, was auch einen Riesen Sandhaufen mit sich brachte. Für uns das Paradies.

Doch wohl nach recht kurzer Zeit war ich wieder daheim. Meine Mutter fragte mich deshalb, ob wir Kinder uns gestritten hätten. „Nein, aber ich kann mich nicht aufs Spielen konzentrieren, wenn ich weiß, dass ich noch Hausaufgaben machen muss.”

So nahm ich wieder mein altes System auf. Erst Hausaufgaben machen, dann (beruhigt) spielen.
Und ich behielt es für lange Zeit.

Ich glaube, auch wenn Sie sich natürlich an eine andere, Ihre Kindheitsgeschichte erinnern, dass Sie heute ähnlich leben. Pflichten erfüllen, dann ist Freizeit (erlaubt). Erst Kopf, dann Bauch - erst Verstand, dann Gefühl.

Und jetzt komme ich, gerade mit dieser Vor-Geschichte, und rufe Ihnen laut und deutlich zu:
Spielen Sie. Spielen Sie jetzt. Spielen Sie wieder mehr!“:

Stress bis hin zu Burnout
kommt daher, weil wir erwachsenen Menschen zu viele Haus-Aufgaben machen und zu wenig für uns tun, just for fun, spielen.

Druck und Hektik
entsteht, weil wir uns immer wieder noch eine Aufgabe und noch eine Aufgabe nehmen (oder aufbrummen lassen), anstatt gepflegt “Danke - danke, Nein” zu sagen.

Blockaden und Krankheiten
haben wir, weil Seele und Körper nicht mehr können. Besser ist es, mit unserem Unterbewusstsein sorgsam umzugehen und auf dessen Pausen-Wünsche zu achten.

Ziele und Erfolg
sind natürlich wichtig. Doch wenn sie sich irgendwann verselbständigen und Druck erzeugen, dann sind sie weder zielgerichtet noch machen sie einen erfolgreich. Los-lassen können ist ein wichtiger Lebens-Aspekt.

Zahlen, Daten, Fakten
sind messbar und kontrollierbar. Man erkennt schwarz auf weiß, was Sache ist. Genau „Sache” und wo sind die Gefühle (auf der Strecke geblieben)? Um ein vielfaches wichtiger ist doch, wie sich der Mitarbeiter fühlt, wie gesund und leistungsfähig er deshalb ist.

Techniken und Methoden
zum Beispiel in den Bereichen Kommunikation, Vertrieb und Führung sind wichtig. Weiterbildung ist wichtig. Aber wir dürfen nicht vergessen: Techniken sind nur das „was” - entscheidend ist jedoch das „wie”. Wie handelt der Mitarbeiter? Wie begeistert sind die Kunden?

Sicherheit und Werte
Klar ist es wichtig, welche Ausgaben und Einnahmen ein Unternehmen hat. Natürlich ist es für dessen Fortbestehen wichtig zu analysieren, wo der Gewinn steckt. Doch eine Firma, die ihr handeln hauptsächlich darauf ausrichtet, lebt in einer vermeintlichen Sicherheit. Vielleicht kann man sie nicht so gut zählen, messen, wiegen, aber mit Werten wie Achtsamkeit und Zuverlässigkeit lebt ein Unternehmen und die Menschen darin erst wirklich.

Kinder und Jugendliche
ob nun die eigenen oder die Auszubildenden im Betrieb bekommen ein großes Geschenk für ihr Leben, wenn ihnen die Vorbilder vorleben, was wirklich wichtig ist: Seinen Gefühlen zu vertrauen und sich erlauben zu spielen.

Planung und Spontanität
Geht das überhaupt? Lässt sich das kombinieren? Ja, klar. Natürlich braucht man dazu das Wissen um einige Techniken und Methoden. Doch das ist im Handumdrehen umgesetzt. Geplant hat man alles im Blick und kann mit gutem Gewissen spontan sein.

Verstand VS. Gefühl? Aufgaben VS. Spielen?
Die Mischung macht’s. Über „Versuch und Irrtum” haben Sie sicher schon erlebt, was für Sie gut ist. Lernen Sie, leben Sie. Und lassen Sie Ihren Perfektantreiber mit all seinen Glaubenssätzen einfach öfter mal in der Ecke sitzen. Erlauben Sie sich ein erwachsenes Kind zu sein. Vertrauen Sie auf Ihre Gefühle, die eh vor dem verstandgeprägten Denken da waren. Wenn es sich für Sie gut anfühlt, dann tun Sie es, jetzt :-)

Machen Sie’s gut
+ herzliche Grüße

 

Ela Starkmann

 

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